US-Forscher wollen Tausende Bauchnabel unter die Lupe nehmen.
Ein ungewöhnliches Forschungsfeld haben Wissenschaftler der North Carolina State University für sich entdeckt: Sie untersuchen die menschliche Bauchnabel-Flora. Um möglichst viele Probanden zu gewinnen, rufen sie öffentlich zur Teilnahme auf.
Auf dem gesamten menschlichen Körper wimmelt es nur so von Kleinstlebewesen, darunter zahlreiche verschiedene Bakterien. Die meisten davon sind harmlos, ja, sie scheinen für die Gesundheit des Körpers sogar eine wichtige Rolle zu spielen. Aufgrund des heute weit verbreiteten Hygienewahns zivilisierter Gesellschaften werden sie allerdings immer mehr aus vielen Körperregionen verdrängt. Um dennoch mehr über die Lebensgemeinschaften auf der menschlichen Haut zu erfahren, haben US-Forscher sich jetzt eines der letzten Rückzugsgebiete der Mikroorganismen vorgenommen: den Bauchnabel.
Laut den Wissenschaftlern von der North Carolina State University waschen nur wenige diese Körperstelle, so dass Bakterien vor Seife geschützt sind. Außerdem sind sie nur bedingt Körpersekreten und UV-Licht ausgesetzt. Um verschiedene Zusammensetzungen der Bakterien-Gemeinschaften und deren Veränderung über die Zeit zu dokumentieren, untersuchten die Mikrobiologen 391 amerikanische Bauchnabel auf ihre bakterielle Flora. Die ersten Ergebnisse ergaben eine Bandbreite von 29 bis 107 Bakterien pro Nabel, insgesamt fanden die Forscher mehr als 1.400 verschiedene Arten. Doch damit nicht genug: Das vierköpfige Team würde sie sich gerne das Innenleben von bis zu 1.000 weiteren Bauchnabeln anschauen – sowohl die Bevölkerung als auch Wissenschaftler mit entsprechender körperlicher und/oder technischer Ausrüstung seien aufgerufen, sie bei ihrer Mission zu unterstützen.
Bisher nutzen die Bauchnabelforscher unter anderem Veranstaltungen in Museen, um möglichst viele Menschen zur Abgabe einer Probe zu bewegen. Ein Anreiz für Interessierte: bunte Bilder der persönlichen Nabel-Flora. Denn neben einer Auflistung der jeweils identifizierten Spezies zeigen die Wissenschaftler auch mikroskopische Aufnahmen der winzigen Kulturen. Zu besichtigen ist eine Auswahl der ersten Bauchnabel-Proben auf www.wildlifeofyourbody.org – sortiert nach speziellen Sammel-Events, wie dem Darwin-Tag im Wissenschafts-Museum in Raleigh, North Carolina, oder auch nach Zugehörigkeit zum Wissenschaftler-Team der Universität.
Nina Rountree (North Carolina State University) et. al.: Mitteilung der Ecological Society of America
Text: wissenschaft.de / Bild: bilderbox.com
15.08.2011